Meine Zeit in Berlin – oder wie ich bespitzelt wurde

– veröffentlicht am 18.07.2013 –

Es ist schon ein paar Jahre her, da wohnte ich mitten in der Nachbarschaft von hoch dekorierten Militärangehörigen sowie Botschaftern in Berlin. Zuvor war ich noch bei der Armee beschäftigt, mein kurzes Intermezzo beim Bundesnachrichtendienst hatte mir ebenfalls keinerlei Befriedigung gebracht.

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte seine Gastresidenz ungefähr 200 m Luftlinie von mir entfernt.

Regelmäßig fuhren Staatskarossen vorbei.

Besonders beeindruckend ist die Erinnerung, wie der Präsident der Russischen Föderation zu Gast war – Wladimir Putin.

Die Botschafter beauftragten ihre Angestellten, die Gärten und Fassaden besonders gepflegt aussehen zu lassen.

Alles wurde abgesperrt. Selbst eine Kanalratte mit umgeschnalltem Bombenrucksack und Fernzündung wäre aufgeflogen und von den Scharfschützen auf den Dächern abgeknallt worden. Unzählige Polizeiautos, Motorräder, schwarze gepanzerte Edelkarossen und Krankenwagen standen herum. Sie warteten nur darauf, mit Wladimir wieder loszufahren. Hubschrauber kreisten über meine bescheidene Hütte und hielten mit Nachtsichtkameras, digitalem Kartensystem, GPS und Radar Ausschau nach potenziellen Attentätern. Auch PRISM (eine Teilsoftware von dem groß angelegten Überwachungsprogramm „Stellar Wind“) von der NSA lief bereits auf Hochtouren und lieferte dem Bundesnachrichtendienst vorab Informationen über ungewöhnliche elektronische Vorgänge, indem es auf wichtige, streng geheime Datenbanken wie beispielsweise Mainway, Marina, Nucleon, Dishfire und Pinwale zugriff. Später sollte der BND die für ihn  maßgeschneiderte Lösung XKeyscore erhalten.

Der Aufwand war unfassbar. Hunderttausende – wenn nicht gar Millionen – von Steuergeldern wurden verprasst, damit die beiden Genossen Gerhard und Wladimir in Ruhe ihr Bier trinken und auf ihre Freundschaft anstoßen konnten.

Zumindest stand über ein dreiviertel Jahr dieser blaue Mercedes Kastenwagen direkt vor meinem Haus. Neu zugelassen, keinerlei Gebrauchsspuren. Der Laderaum besaß keine Scheiben und war nicht einzusehen. Er war mit Werbung einer „Bauüberwachungsfirma“ zugekleistert. Diese Kiste war immer blitz und blank poliert. Selbst der Pollenflug der Bäume schien nicht am Lack haften zu wollen. Irgendjemand musste den Mercedes also pflegen und regelmäßig durch die Waschstraße fahren. Selbst im Innenraum herrschte immer größte deutsche Sorgfalt. Nur habe ich NIE gesehen, dass das Auto wegfuhr – und glaubt mir, ich habe darauf geachtet. Nicht nur ich alleine, auch meine befreundeten Nachbarn im selben Haus haben ein Auge auf die Schleuder geworfen. Monatelang bewegte sich diese Hämorrhoidenschaukel einfach nicht.

Zeitgleich zu dem blauen Kastenwagen durften wir uns auch über eine neue Nachbarin freuen. Sie zog genau in die Wohnung über mir. Selbstverständlich bin ich unaufgefordert auf einen Kaffee hochgegangen, und habe mir ihre Wohnung genauer angeschaut. In ihrer Wohnung herrschte ebenfalls größte deutsche Sorgfalt.

Irgendwann fing ich an stutzig zu werden und wählte die Telefonnummer von dem „Firmenwagen“. Ich habe diese Firma ca. 70 Mal zu verschiedenen Uhrzeiten und an verschiedenen Tagen angerufen; der Gesprächspartner war stets der Gleiche: ein Anrufbeantworter. Auch hatte die Firma keinen Eintrag im Telefonbuch. Eine Adresse, wo man mal persönlich vorbei schauen konnte, war nicht zu ermitteln – selbst die Werbung auf dem Kastenwagen gab diese nicht her.

Ich rief einen befreundeten Geschäftspartner an, der in derselben Branche tätig war: Verkauf von Spionageprodukten. Der Markt ist klein, man kannte sich und wir rätselten über den blauen Mercedes. Er meinte aus Spaß, ich solle mal die Luft aus einem Reifen lassen, da bei manchen Überwachungsgeräten selbst die kleinste Neigungswinkeldifferenz das Gerät – und damit die Überwachung – nutzlos macht.

Gesagt – getan. Drei Uhr nachts bin ich raus und habe aus dem rechten Vorderrad die Luft zur Hälfte abgelassen. Die Ventilkappe habe ich behalten und an den Reifen meines Autos montiert. Ich war sehr glücklich über die Ventilkappe, fehlte sie doch schon seit Wochen an meinem eigenen Reifen.

Vier Stunden später, 07:00 Uhr morgens, stand ich auf, zog mir meine Sportsachen an und ging raus. Da traf es mich wie ein Schlag ins Gesicht: Der Reifen war wieder aufgepumpt – und eine neue Ventilkappe war auch wieder drauf!

Einige Tage später klingelte jemand an meiner Tür sturm. Es war sechs Uhr in der Früh. Man war ich angepisst. Wer wagt es, mich zu dieser gottlosen Stunde so extrem zu penetrieren? Ich steh also auf, öffne die Tür, und sehe wie sechs bewaffnete Menschen mit kugelsicheren Westen, Schusswaffen und Messern um ihre Hüften vor mir stehen. Zwei von ihnen haben den Pistolenhalfter geöffnet und Ihre Waffe einsatzbereit in der Hand.

Das LKA. Hausdurchsuchungsbefehl.

Kurze Zeit später zog ich in einen anderen Stadtteil Berlins. Meine Nachbarn erzählten mir, dass seitdem der blaue Mercedes verschwunden ist. Auch die neu hinzugezogene Nachbarin wurde daraufhin nie wieder gesehen.

Falls es euch interessiert: Ich wurde in allen Anklagepunkten freigesprochen. Jedoch habe ich wichtige beschlagnahmte Unterlagen nicht zurückbekommen. Auch beschlagnahmte Ware wurde nicht wieder herausgegeben. Dieses hatte die Staatsanwaltschaft mit mir so ausgehandelt, damit die Behörden mit den Geräten trainieren konnten. Unter dem schallenden Gelächter der anwesenden Presse habe ich jedoch darauf hingewiesen, dass es sich nur um „Spielzeug“ handelt, und ich dringend davon abrate, diese Geräte im Einsatz zu verwenden.

Wenn du wissen möchtest, welche Spionagetechnik in dem blauen Mercedes Kastenwagen versteckt war, kannst du es in der exklusiven XL Vorschau zu meinem neuen  Spionagethriller „Gruber & Schmidt: Chinas Blitzkrieg“ nachlesen. Der Hyperlink dazu ist ewas weiter unten.

So long,

Euer Simon



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Inhaltsverzeichnis der exklusiven XL Vorschau

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       Über das Buch
       Danksagung
       Prolog – „Operation: Incertum“
       Kapitel 1 – „Aufwachen – wie alles begann“
       Kapitel 2 – „Jamais-vu“
       Gratiskapitel: Operation Incertum
       Über den Autor
       Lebenslauf von Gruber & Schmidt

 
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Tags: BND, NSA, PRISM, Marina, Nucleon, Pinwale, Mainway, XKeyscore, Überwachung, Bundesnachrichtendienst, Spionage, Dishfire



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